Man kann den Worldcup in St. Peter-Ording als eine rundum gelungene Veranstaltung bezeichnen. Vom Wetterchaos am Dienstag bis zu genialen Partys mit Abstürzen der Extraklasse hatte die Veranstaltung alles zu bieten. Wir hatten unsere Zelte an der neuen Surfschule X H2O aufgeschlagen und konnten somit ein Teil des geschäftigen Treibens werden.
Am Tag meiner Ankunft am ersten Sonntag der Veranstaltung war ich zunächst enttäuscht. Angekündigt war eine Beachparty, die aber wegen schlechten Wetters ins Wasser fiel. Als ich abends den Strand betrat, war so gut wie keine Menschenseele mehr zu sehen. Einige Pros und Freizeitkiter waren noch auf dem Wasser und gerade im Begriff, das Wasser zu verlassen. Ich wollte gerade zum Auto zurückgehen, als Phillip Brückmann (Piele) vom Wasser kam und meinte, wir könnten doch eine Runde in der Riders Lounge kickern und dann ins Café Köm gehen. Der erste Abend war somit gerettet. In der Nacht auf Montag brach dann der erste Sturm los. Mit bis zu 10 Windstärken hämmerten die Böen über den Wagen. Am nächsten Tag waren schon die ersten Zelte der Veranstaltung weg geflogen und der am Hairstyle Interessierte konnte diverse Haargelproben am Strand finden, da es auch das Gard- Zelt in Mitleidenschaft gezogen hatte. Der Montag selbst war der Horror. So gut wie kein Wind und Dauerregen belasteten das Kiterherz schwer. Ein Highlight war definitiv der Dienstag. Voll auflandiger Wind mit 35 Knoten in der Spitze brachte das Meer zum Kochen. Das Meer ließ es sich dann auch nicht nehmen, das ganze Eventgelände komplett zu überfluten. Die Kulisse, die sich dann bot, erinnerte stark an die Flutkatastrophe im Osten im Jahr 2002. Unser neuer Teamfahrer, Stefan Permien, ließ es sich dann auch nicht nehmen, mit seinem Kollegen, Kim Albrecht, das Eventgelände zu rocken. Tische, Theken und Zäune dienten als Obstacles. Bei dieser Show wurden die phantastischen Heats der Pros fast zur Nebensache, weil eine solche Kulisse zum Kiten sich schließlich nicht jeden Tag bietet. Laster, Zelte und Menschen waren den Elementen mit voller Wucht ausgesetzt und konnten der Kraft nicht viel entgegen bringen. Budenbesitzer, die nicht früh genug geschaltet hatten, konnten nur noch mit ansehen, wie ihre Buden samt Einrichtung absoffen. An diesem Tag hatten definitiv nur wir Wasserratten unseren Spaß, alle anderen hatten das Nachsehen. Über die weiteren Wochentage gibt es nichts Herausragendes zu berichten. Das Wetter wurde definitiv besser. Wind kam allerdings nicht. Für mehrere Tage konnte man das Tummeln am Strand beobachten, welches durch Fotoshootings, Fernsehberichterstattung und diverse Interviews abwechslungsreicher wurde. Samstag und Sonntag gesellte sich dann auch wieder der Wind zu uns. Am Samstag fand der Kite Cross statt, der uns Zuschauern schon eine Menge Spaß brachte. Bei den Starts kam es immer wieder zu Komplikationen, da fast in jedem Heat ein Schirm vor den Fahrern gedropt wurde, so dass dann erst mal Chaos ausbrach. Armin Harich war die Überraschung des Tages. Er schlug eine ganze Reihe der viel jüngeren Fahrer und konnte sogar Aaron Hadlow in einem Heat schlagen. Wir hatten die Headline für die Presse schon verfasst. Sie sollte lauten: „Newcomer des Jahres schlägt Aaron Hadlow“. Der Sonntag brachte dann noch etwas mehr Wind. Die Double Elimination konnte gestartet werden, in der die Rider, die am ersten Tag ausschieden, eine zweite Chance bekommen sollten. Aaron Hadlow war wie ausgewechselt. Er fuhr sehr aggressiv und konnte sich Heat für Heat nach vorne schieben. Ich hatte Aaron schon in vielen Videos gesehen, aber live ist der aggressive Fahrstil schon eine andere Nummer. Auch Etienne Lhote, der am Vorabend noch mit angemaltem Gesicht vor mir stand und offensichtlich gut einen getankt hatte, machte eine extrem gute Figur auf dem Wasser. Besonders positiv fiel auch die deutsche Nachwuchshoffnung Mario Rodwald auf. Wenn der so weiter macht, sollte er bald ganz vorne mitfahren. Ärgerlich war nur, dass der abnehmende Wind weitere Wettkämpfe auf dem Wasser verhinderte.
Als weiteres Highlight ist sicher der Besuch von Robby Naish und Ben Meyer zu nennen. Ottonormal-Kiter oder -Surfer haben die Jungs schon in unzähligen Videos gesehen und schauen zum Teil ehrfürchtig zu ihnen auf. Wenn sie dann aber vor einem stehen, merkt man, dass sie eigentlich ähnlich ticken wie man selbst, nur anscheinend alles richtig gemacht haben. Was für mich auf jeden Fall neu war, dass Ben anscheinend der surfende Bruder von David Copperfield zu sein scheint, da er sehr geschickt mit dem Kartenspiel umgeht. Wenn Ihr ihn treffen solltet, drückt ihm ein Kartenspiel in die Hand und ihr werdet sehen, was ich meine.
Die Partys gehörten zwar zum Randgeschehen, aber die ganze Meute
feierte bis in die frühen Morgenstunden und ließ es sich
nehmen, ein wenig aus dem Ruder zu laufen.
Was ich sehr interessant fand, ist die Tatsache, dass es Kitegroupies
anscheinend in jeder Altersklasse zu finden gibt. Nicht nur auf den
Partys, sondern auch tagsüber am Strand konnte man immer eine
Schar des aus Adams Rippe geschneiderten Geschlechts ausmachen, die
ihre Fallen geschickt um die Pro Rider und andere unschuldige Personen,
die für Pro Rider gehalten wurden, positionierten. Denen schien
das in jedem Fall sehr gut zu gefallen. Aber ehrlich gesagt, weiß
ich nicht, wie viele der Groupies letztendlich Erfolg hatten und ihre
Trophäe in den Dünen vernaschten.
Wenn ein normaler VW Touran von einem der großzügigen Sponsoren als Geländevehicle missbraucht wird, kann das nicht wirklich gut gehen. Der Rückweg von der Party zum Schlafplatz am Yachthafen wurde mit Powerslides und einem Sprung über einen der Holzstege gekrönt. Am nächsten morgen hatte der Wagen leider einen Platten. Der Steg war dann wohl doch eine ungeeignete Sprungschanze. Gott sei Dank war das nicht mein Wagen und ich auch nicht der Fahrer.
Da Bilder in der Regel mehr als tausend Worte sagen, lassen wir an dieser Stelle lieber die Bilder für sich sprechen. Eins kann man aber wohl als Resümee festhalten, egal wie beschissen das Wetter ist, der Besuch des Worldcups lohnt sich auf jeden Fall. Im Notfall lässt man den Neo abends einfach an und macht weiter.
