Colgate World Cup Sylt 2006 - TRIGGERNAUT vor Ort
04/10/2006 2:36 pm
TRIGGERNAUT-Alex inmitten von 126 Weltranglisten-Windsurfern, 180.000 begeisterten Zuschauern und den geilsten Partys der Saison.
Wie immer zu spät…
….kam ich erst am Mittwoch auf dem Colgate World Cup auf Sylt an. Viel hatte ich bis dahin allerdings nicht verpasst, denn die Windgeister hatten die Veranstalter wieder einmal im Stich gelassen und so fand ich das riesige Gelände in einem mäßig besuchten Zustand vor. Nachdem ich bei unserem Kunden, Optik Meerwald, unsere Fahnen, Plakate und den restlichen Stuff zur Präsentation unserer Brille vorbereitet hatte, begab ich mich auf einen kleinen Rundgang, um mir einen Überblick zu verschaffen. Mit über 150.000 Besuchern ist der Colgate World Cup die mit Abstand größte Windsurf-Veranstaltung in Deutschland. Man kann sich gut vorstellen, dass hier auf den Partys so manche Nacht das Zelt wackelte. Die weltbesten Windsurfer im Wettstreit zu bestaunen, sollte jedoch der eigentliche Grund eines Besuches sein. Diese mal aus nächster Nähe zu sehen und Größen wie Björn Dunkerbeck, Micah Buzianis oder Kevin Pritchard in Action zu erleben ist schließlich das eigentliche Ereignis. Insgesamt zeigten 127 bei der PWA gemeldeten Pros hier auf Sylt ihr Können.
Kaum hatte ich meinen Rundgang begonnen, lief ich Bernd Flessner in die Arme, der mich mit einem netten „Hi Alex“ begrüßte. Bernd, Norderney Local, dreimaliger World Cup Gewinner und zwölfmaliger Deutscher Meister kenne ich über einen unserer Teamfahrer. Er ist ein netter Kerl, immer freundlich und geduldig stellt er sich jedem Fangespräch. Geduld brauchten auch die anderen World-Cup Fahrer, denn der eifrig erwartete Wind, sollte erst am nächsten Tag kommen. „Aber dann wird auf dem Wasser gerockt“, versprach Flessner. Nach diesem ersten Gespräch setzte ich meinen Rundgang durch die Boxengasse am Brandenburger Strand in Westerland fort. Alle großen Hersteller hatten hier ihre Zelte aufgeschlagen, um ihre neusten Produkte zu präsentieren. Im Gegensatz zu den Pros müssen wir, als „normale“ Surfer auf diese Produkte allerdings noch bis 2007 warten. Die Versuchung, die Pros auf dem Weg zum Wasser erst mal wegzuschupsen und selbst mit dem perfekt aufgebauten Brett wegzuheizen war deshalb groß. Damit ich freien Zugang zu allen Zelten bekam, hatte mir Thomas von Optik Meerwald glücklicherweise eines der heiß begehrten Bändchen vom World Cup besorgt. Ein Blick in das Materialzelt dokumentierte die Materialschlacht der Fahrer: Über 700 Boards und mehr als 1.200 Masten, die je nach Einsatzzweck und Bedingung unterschiedlich genutzt wurden. Die Disziplinen für den World Cup auf Sylt sind Freestyle, Slalom 42 und Waveriding. Beim Freestyle ist die Hauptsache Loopings, Drehungen und Sprünge so stylisch wie möglich vorzuführen. Der Slalom 42 ist ein klassischer Race, bei dem jeder Teilnehmer vor dem Wettkampf 4 Segel und 2 Bretter abgibt, denn während der Rennzeit darf dann nichts mehr ausgetauscht werden. Das Waveriding ist für die Zuschauer sicherlich am spektakulärsten, hierbei werden die besten Wellenritte und Sprünge einer Jury vorgeführt. Um bei dieser Disziplin richtig zu punkten/rocken braucht man allerdings eine ordentliche Welle und mindestens 12 Pferdestärken in der Luft.
Zum Abend hin wurde dann auch der vermeintlich windstille und damit ruhige erste Tag noch ziemlich geil. Ab 19.00 Uhr trafen immer mehr Leute ein, die zwar wenig Interesse am Cup zeigten, aber richtig Party machen wollten. Unter ihnen waren natürlich auch viele Chicas (…sehr willenlos), die scharf auf einen der heißen Fahrer waren. So begann mit Housemusic im Partyzelt 1 und alten 80er-Kamellen im Partyzelt 2 das legendäre Nachtspektakel. Oli, der das Sagen am Caipirhina Stand hatte, lud mich spontan zum abendlichen Sackhüpfen durch das gesamte Zelt ein. Es ist nicht leicht zwischen den vielen Besuchern in einem Müllsack durch das Zelt zu hüpfen und so gab es auch einige Verletzte. Aber am Ende wurden alle mit eiskaltem Kümmerling entschädigt. Kümmerling gab es dieses Jahr auf dem World-Cup immer und überall, so dass trotz der frischen Seeluft jeden Morgen eine herrliche Rumba im Kopf der Partygäste spielte. Gegen 20.00 Uhr ging i.d.R. schon nichts mehr. Zu dieser Zeit waren schätzungsweise 1.000 Menschen in bester Partylaune unterwegs. Pünktlich um 22.00 Uhr wurde die Musik abgestellt, schließlich befindet man sich ja in einem Kurviertel der Insel. Spätestens um 23.00 Uhr ist es dann endgültig vorbei und man wird rausgeworfen. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn die Clubs, wie das „Badezeit“ und das legendäre „American“ warten längst auf die heranströmenden Massen. Hier trifft man sich wieder und geht in der Regel nicht vor 6.00 Uhr morgens nach Hause (aua aua).
Am nächsten Tag war der erwartete Wind endlich da und die ersten Heats begannen mit viel Action auf dem Wasser. Bernd Flessner schlug sich beachtlich gut gegen die internationale Konkurrenz. Jedoch gab es auch viele Rennabbrüche wegen Frühstarts und schwankenden Windbedingungen. Na ja, manchmal ist es etwas schwierig, alle Entscheidungen und Regeln nachzuvollziehen. In jedem Fall standen Donnerstag die Leistungen und Heats im Vordergrund, was sich aber unglücklicherweise bereits Freitag Vormittag wieder änderte, da es erneut an Wind mangelte. Wenigstens hatte man so noch mal Gelegenheit mit den Fahrern in Kontakt zu treten. So lernte ich z.B. Oliver-Tom Schliemann kennen, den jüngsten Teilnehmer auf dem Colgate World Cup. Beachtlich, dass er bereits mit 15 Jahren eine WM fährt und vor drei Jahren sogar Robby Naish in einem Heat ausgebremst hat. Doch Oliver-Tom ist nicht nur auf dem Wasser ein ausgesprochenes Talent. Der Kleine bzw. Große spricht 5 Sprachen und als wäre das noch nicht genug, ist er auch noch gut in der Schule.
Nach sechs Jahren der Abstinenz war auch Robby Naish wieder auf dem World-Cup zu sehen. Zwar nicht als Teilnehmer, sondern eher als lebende Legende des Sports. Beim offiziellen Pressemeeting traf ich ihn dann auch, allerdings war er relativ genervt von dem Rummel. Es blieb also beim altbekannten „hang-loose“ Zeichen und einem freundlichen „Have Fun!“. Plötzlich stand auch noch Björn Dunkerbeck vor mir. Ich wusste wohl, dass er ziemlich groß ist, aber wenn er in Natura vor einem steht, bekommt man es schon mit der Angst zu tun. Hände so groß wie Bratpfannen und einen Kopf, der auch als Zeppelin durchgehen könnte. Ein persönliches Gespräch mit ihm war allerdings nicht möglich. Wer solange Profisportler ist, gibt nur noch das allgemeine „Bla Bla“ von sich.
Langsam ging es wieder auf den Abend zu und die tägliche Party im Zelt begann von Neuem. Da zum Wochenende noch einige Touristen angereist waren, wurde es noch heftiger als die Abende davor. Gegen 22.30 Uhr verließ ich das Gelände schlussendlich und ging ins Amercan. Herrlich, wenn ein alter Freund aus Kassel hier inzwischen die Theke schmeißt. Es mangelte an nichts. Breit wie ein Otter wurde mir plötzlich bewusst, dass auch Robby Naish an der Theke stand. Auf Kosten des Hauses wurde ihm sodann eine Flasche Champagner serviert. Anders als am Nachmittag ging er in der Partymenge irgendwie unter und blieb vom Rummel weitgehend unbeachtet. So nutzte ich die Gunst der Stunde und kam doch noch mit ihm ins Gespräch. Es ist unbeschreiblich sich mit so einer Legende persönlich zu unterhalten. Er zeigte sich interessiert an TRIGGERNAUT und berichtete von seinen Anfängen. Wir unterhielten uns über die Leidenschaft zu den Elementen und über die Religion des Surfens. Schon ein komisches Gefühl, mit einer Surflegende, die schon in Wellen unterwegs war, in denen jeder Normalsterbliche absaufen würde, ein Bier zu trinken.
Am Finaltag wurden mit Achen und Krachen die letzten Heats fertig gefahren. Der Amerikaner Micah Buzianis gewann den Slalom 42 vor Antoine Albeau. Dem 34-jährigen Franzosen reichte allerdings auch der zweite Platz, um zum ersten Mal in seiner Karriere Weltmeister in dieser Disziplin zu werden. Bester Deutscher wurde Bernd Flessner mit Platz 13. Der Lokalmatador hatte leider zweimal Pech mit wechselhaftem Wind. Weltmeister im Freestyle wurde der Venezuelaner Jose Estredo. Die beiden Deutschen André Paskowski (Hamburg) und Normen Günzlein (Scharbeutz) zeigten mit einem 13. und 14. Platz, dass sie zur erweiterten Weltspitze gehören. Robby Naish überreichte die Pokale auf einem völlig überfüllten Veranstaltungsgelände. Über die finale Abschlussparty kann ich nicht mehr viel sagen, aber die Kopfschmerzen am nächsten morgen waren wieder unglaublich. Alles in allem lohnt sich ein Trip zum World Cup auf jeden Fall, ob zum Schauen, Kaufen, Chillen oder Feiern. TRIGGERNAUT ist auch nächstes Jahr garantiert wieder mit dabei!

