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Ein TRIGGERNAUT Teamfahrer im Land der Rentiere!

25/02/2007 9:27 am

Was macht man, wenn man in Deutschland den Jahrhundertsommer im Winter erlebt? Flüchten und zwar dahin, wo der Winter noch ein richtiger Winter ist. Das Ziel war schnell ausgemacht! Angefüttert durch zahlreiche Snowkitevideos fiel unsere Wahl schnell auf Norwegen, genauer gesagt Haugastol. Haugastol ist ein kleines Kaff mitten im Nirgendwo, ca. 250km nord-westlich von Oslo. Ein Mitstreiter war ebenfalls schnell zur Stelle, Leo, zur Zeit Austauschstudent in Lund/Malmö.

Die Anreise:

…Mal wieder mit Ryanair. Ich hatte gute 40kg Gepäck, erstaunlich wie ich es immer wieder schaffe mehr Gepäck als eine türkische Großfamilie zusammen zu bringen. Zum Glück hatte ich Sportgepäck angemeldet, so dass es bei insgesamt 45euro Aufpreis blieb.
In Göteborg angekommen, musste ich erst mal zwei Stunden auf Leo warten. Ihm war irgendwie nicht bewusst, dass es in Göteborg zwei Flughäfen gibt und er stand natürlich erst beim falschen Flughafen. Mit Mühe und Not bekamen wir alles ins Auto, etwas tiefergelegt war er schon, der gute alte Kurt.
Kurt begleitet Leo schon eine ganze Weile und hat schon Einiges mitgemacht, wie nächtliche Rallyes durch den verschneiten Odenwald oder Sprünge über Böschungen und Ähnliches. Auf Kurt ist Verlass und auch diesmal sollte er uns nicht enttäuschen. Oslo war schnell erreicht. Die Straße nach Haugastol hatte es aber in sich!
200km auf blankem Eis ist nicht jedermanns Sache. Bei der Ankunft in Haugastol lachte uns dann eine minus 26 Grad auf dem Thermometer an. So kalt hätten wir es dann doch nicht erwartet! Der Schlüssel von unserem Hostel steckte bei unserer Ankunft mitten in der Nacht bereits im Schloss und so waren wir dann nach der achtstündigen Odyssey auf der Hinfahrt auch schnell im Bett.

Der erste Tag:

Nach einer kurzen Nacht ging es hoch auf die Hardangervidda, ein riesiges Plateau mit weit und breit nichts als Schnee. Ein erstaunliches Phänomen bescherte uns am ersten Tag eine grandiose Session mit dem 12er und das bei strahlendem Sonnenschein. Fallwinde von den Bergen bringen fast immer Wind, auch wenn nichts angesagt ist. Man darf sich nur nicht zu weit vom Berg wegbewegen, da der Wind einfach aufhört zu wehen und der Kite dann vom Himmel fällt. Ein kleiner Hang oberhalb eines See gelegen, lud uns zum springen ein. Mein 12er Rival hatte richtig Druck und so waren die erreichten Flughöhen schon ganz nett. Nach guten 4 Stunden rippen bei 18 Grad Minus hatten wir die Schnauze voll…schwarzer Punkte. Leo hatte sogar leichte Erfrierungen!

Abends nach unserer ersten Session im Schnee luden uns die Locals um Remi Meum, seines Zeichens Vize Weltmeister im Snowkiten, zum krönenden Abschluss ein mit in die Disco nach Geilo zu kommen. Die Crazy Germans gaben natürlich richtig Gas, so dass kein Auge trocken blieb. So ein Rentier kann nach dem Genuss von Alkohol verdammt attraktiv werden. Unser Besuch in Geilo endete um 4 Uhr. Wir mussten mit dem Zug zurück in unseren Ort und hatten vom Bahnhof bis zu unserem Hostel aber noch einen Kilometer in bitterböser Kälte zurück zu legen. Den Weg konnten wir bei minus 30 Grad nur joggend zurücklegen, ansonsten wären wir sicherlich erfroren!

Die folgenden Tage waren wegen Hangover und schlechten Wetters kaum erwähnenswert.
Leider ging der Hangover dann auch noch in eine Bronchitis über, die ich aber tapfer mit Vodka Inhalationen und Sauna bekämpft habe! Die Norwegische Volksdroge mussten wir gezwungenermaßen natürlich auch ausprobieren. Nein es ist nicht Alkohol und es sind auch keine Rentiere! Snus heißt das grässliche Zeug. Und mir ist es absolut unverständlich, warum Snus legal ist. Ich weiß nicht, wie man drauf stehen kann, sich einen Teebeutel voll mit Tabak unter die Lippe zu stopfen. Fünf Minuten nach dem Snuskonsum lagen wir jedenfalls völlig am Ende im Bett und der eine oder andere hat sich das auch noch mal durch den Kopf gehen lassen…

Zu unserer großen Freude wurde das Wetter wieder besser und die Sessions konnten wieder beginnen. Die Touren durch die hügelige Landschaft sind für mich unvergesslich.
Am Tag legten wir zum Teil über 30km zurück und das auf Bergen sowie zugefrorenen Seen und das alles bei knietiefem Powder! Abends gab es immer lecker Bohnen mit Speck und nette Filmchen von Leos Laptop. Kann es noch besser sein?

In der kurzen windfreien Zeit bastelten wir uns einen schönen Kicker über die Straße und zwar exakt an der Stelle, wo ein Jahr vorher ein Pro-Snowboard Team einen errichtet hatte, wie wir später von den Locals erfuhren. Etwas mulmig war uns bei den ersten Sprüngen über die Strasse schon. Doch Leo sollte es erst am nächsten Tag erwischen. Er landete genau auf einer Leitplanke. Wäre er 20cm kürzer gesprungen, hätte es um ihn nicht wirklich gut ausgesehen.

Am letzten Tag meiner Reise wollten wir das Meer mal wieder sehen. 50km von Haugastol beginnt ein großer Fjord. Ein Abstecher dahin ist durchaus lohnenswert, alleine schon wegen der schönen Fahrt dorthin. Auf nur 20km Fahrtstrecke kommt man von 1200m Höhenmetern und minus 15Grad auf 0m Höhenmeter und plus 2Grad und plötzlich ist alles wieder grün, völlig ungewohnt nach 12Tagen weiß.

Fazit:

Haugastol ist in jedem Fall eine Reise wert. Man darf nur keine Angst vor richtigem Winter haben! Der Schnee ist phantastisch und Wind ist eigentlich immer da. Falls er doch mal ausbleiben sollte, gibt es als Alternative ein gutes Skigebiet in Geilo.

Soviel ist sicher: Wir werden wiederkommen.