Mehr Meer!
30/05/2007 9:15 am
Ob Wellenreiter, Windsurfer Wakeboarder oder Kiteboarder - trotz manches Orts auftretender Rivalitäten haben doch alle eine gemeinsame Liebe, das Meer. Meer bedeutet Unendlichkeit, Gefahr und Angst, aber auch der salzige Geschmack von Freiheit und Abenteuer. Ich brachte meine Mutter bereits als kleiner Balg zur Verzweiflung, weil ich mich zu jeder Jahreszeit in Pfützen setzte und ohne Vorwarnung und schwimmen zu können, in Seen sprang. Zur Freude meiner Mutter lag es dann bei ihr, mich aus dem Wasser zu fischen. Diese Anziehungskraft hat das Wasser für mich als Triggernaut bis heute nicht verloren.
An einem windstillen Tag mit fast gespenstisch anmutender spiegelglatter See beobachtete ich am Strand einen kleinen Jungen, der beim Gehen immer wieder seinen Oberkörper hob und senkte. Es sah aus wie ein seltsamer Tanz zu der kaum hörbaren Melodie des Wellenschlags. Als ich näher kam, sah ich, dass der Junge etwas aufhob und vorsichtig zurück ins Meer warf. Bei näherer Betrachtung fiel mir ins Auge, dass es sich um Seesterne handelte, die er vor dem Austrocknen bewahrte. Mir kam in den Sinn, dass die Seesterne, die nach seiner Rettungsaktion weiter leben durften, das Wasser noch viel mehr brauchten als jeder noch so durchgeknallte Wasserjunkie. Während ich mit meinen Füßen weiter durch das seichte Wasser schlenderte, begann ich darüber nachzudenken, wie die Meere überhaupt auf unsere Erde gekommen sind. Jeder hat sich wahrscheinlich schon mehr oder weniger mit diesem Thema in der Schule beschäftigt, aber kann man diese Frage aus dem Stehgreif beant-worten?! Mein Kopf fing an zu arbeiten und mir kamen Stichworte wie Uratmosphäre, Wasserdampf und letztendlich mein knurrender Magen in den Sinn. Bevor ich den Gedanken wieder verlieren würde, nahm ich mir vor, dass ich darüber schreiben sollte.
Anfangs ist erstmal festzuhalten, dass unsere gute Mutter Erde gerade mal 4,65 Milliarden Jahre alt ist und in ihren Anfängen ein ziemlich ungemütlicher Glutball war. Vorher war natürlich der Urknall, der alles erst möglich machte. Während Mutter Erde also so vor sich hinglühte, gab es jede Menge Vulkanausbrüche, bei denen leichte, flüchtige Gase und Dämpfe aus dem Mantel und der Kruste freigesetzt wurden. Einige dieser Stoffe, in erster Linie Stickstoff, Ammoniak, Kohlenmonoxid, Methan, Kohlendioxid sowie Wasserdampf wurden durch die Schwerkraft der Erde festgehalten und bildeten so eine ziemlich ungemütliche Uratmosphäre. Als die Mutter dann nach langer Zeit der Hitze langsam abkühlte und die Oberflächentemperatur unter 100°C fiel, konnte der atmosphärische Wasserdampf kondensieren und als Regen niederfallen. Man kann sich da wohl ein überdimensionales römisches Dampfbad vorstellen, in dem es für Jahrmillionen geschüttet haben muss, also in etwa so wie im heutigen Großbritannien, nur viel wärmer.
Es entstanden alle Arten von Pfützen, Tümpel und Seen. Jedes noch so kleine Loch der Erdoberfläche wurde aufgefüllt und aus kleinen Bächen entstanden reißende Flüsse, die schließlich die ersten Ozeane bildeten. Nur wie kam das ganze Salz ins Wasser, was einem nach einer kräftigen Spülung so schön in den Augen und im Rachen brennt?! Die alten Griechen hätten sicherlich sofort einen ihrer Gottheiten bemüht, der beim Verzehr seines Frühstückeis einen überdimensionalen Salzstreuer hätte in ins Meer fallen lassen. Jedoch ganz so war es wohl nicht. Aus dem zum Teil noch flüssigen Gestein wusch das Wasser alles an Stoffen heraus, was es mitnehmen konnte. Darunter waren Stoffe wie Kalium und Kalzium, Silizium und Aluminium und auch das Natriumchlorid - unser Kochsalz. Somit wäre dann auch geklärt, wie das Salz ins Meer kam und die Eingangs gestellten Fragen wären beantwortet.
Die Ozeane kleiden sich in sanftes Blau, in Grün, in Türkis oder Dunkelgrau, sind warm oder eisig kalt. Sie lösen beim Betrachter unterschiedlichste Gefühle aus und bergen noch viele Geheimnisse und Überraschungen. Eisberge wiegen Milliarden Tonnen, Eisfische leben bei 30 Grad minus mit natürlichen „Frostschutzmitteln“ im Blut und die schnellsten Fische wie Goldmakrelen können es in der Geschwindigkeit mit jedem Wakeboard-Boot aufnehmen. Blickt man aus dem All auf die Erde zeigt sich die Erde als bläulich schimmernde Kugel. Ursache dieser Färbung ist einzig und allein das auf der Erde vorhandene Wasser: Beinahe drei Viertel der Erdoberfläche, nämlich 360 Millionen Quadratkilometer, sind davon bedeckt. Auf diesem Wasser beruht letztendlich die Einzigartigkeit der Erde. Es macht die Erde zu einer fruchtbaren Oase inmitten eines Sonnensystems, in dem sonst kein Leben existiert. Und da soll noch einer sagen, wir Surfer wüssten nicht was gut ist.
