TRIGGERNAUT auf explorativen Wegen !
11/08/2008 9:10 am
Die Teamfahrer Arne Tilgen, Jan Logemann und Johannes Helck fuhren mit unseren Brillen 800km durch Canada. Was sie dabei erlebt haben, könnt ihr in dem Erlebnisbericht lesen, den Arne für uns geschrieben hat:
Auf der Suche nach einem Brillensponsor für das erste Einradlangstreckenrennen der Welt, wurde ich von Phil Mandeau auf die Firma Triggernaut hingewiesen. Da ich positive Erfahrungen beim Kite-Surfen mit einem Modell gemacht hatte, hielten wir dies für eine gute Idee. Unbürokratisch wie man es von einer coolen Sportswear Factory erwarten konnte, ließen sie sich hinreißen und schickten spontan drei Brillen und entsprechendes Mercandising Material zu uns. Damit ging es auf nach Kanada.
Wir landeten in Halifax und fuhren nach einer kleinen Einkaufstour (Einradteile, Power Bars, Elektrolythe) am nächsten Tag zu unserem Trainingsstützpunkt nach Annapolis Royal. Hier akklimatisierten wir uns, brachten die 6 Einräder ins Rennfitting und trainierten Rennabläufe.
Am dritten Tag fuhren wir nach Yarmouth, wo das Rennen beginnen sollte. Auf dem Weg dahin mussten wir an einer Kreuzung halten. Ich fuhr unseren schicken gemieteten Doge und ließ mich spontan über das merkwürdige Aussehen der Frau am Steuer des vorfahrtsberechtigten Wagen aus, woraufhin Jan nur fragte: „Wie um Himmels willen erkennst Du das da eine Frau hinter dem Steuer sitzt?“ Ziemlich verwundert überlegte ich kurz und nahm daraufhin meine Brille Transmitter Polarbär weiß mit der Tönung braun ab. Nun erkannte ich Jans Problem. Ohne die Brille war nur eine schwarz getönte ziemlich von Regenflecken verwaschene Scheibe zu erkennen. Fortan beschloss ich nur noch die Brille aufzulassen, zumal nicht nur alle Kontraste besser zu erkennen waren sondern auch eine Farbintensität hinterließen die einfach noch schöner aussah, als es die Umwelt selbst schaffen konnte.
Tag vier war der Tag des Rennstartes. Unter dem Namen „Ridethelobster“ waren zirka 120 Einradfahrer nach Nova Scotia gekommen, jeweils drei Fahrer und mindestens eine Begleitperson formten die Teams die als solche in den nächsten fünf Tagen zusammen über 800km auf dem Einrad zurücklegen mussten. Neben vier Tages Etappen um die 200km, standen auch noch ein Einzelzeitfahren und ein Kriterium auf dem Veranstaltungsplan.
Ziemlich nervös ging es am ersten Tag zum Start. Arne war als Startfahrer auserwählt worden und ging das Rennen an. Mit dem Ziel möglichst in einer Spitzengruppe mitzufahren starten wir ins Rennen. Die wenigen Gruppen die sich am Start noch gebildet hatten lösten sich relativ schnell auf, so dass nach dem Herausfahren des Polizeiwagens nach 80km unser Team auf einmal alleine an der Spitze fuhr. Es war eine überwiegend sonnige Etappe, unsere Brillen waren quasi im Dauereinsatz. Dies sollte bis zum Ziel so bleiben. Daran konnte auch ein unerwarteter Anstieg (das herausgegeben Höhenprofil war schlicht falsch), ein Hydraulikdefekt von Arne´s Bremse und der Sturz von Johannes nichts ändern. Johannes hatte sich bei einem Sturz im Downhill sein Knie überstreckt und geprellt. Er wurde auf den letzen 30 km nicht mehr eingesetzt. Am Ziel rechnete man noch nicht mit Fahrern als Jan in die Zielkurve in Annapolis Royal einfuhr. Mit 14 min Vorsprung auf Neuseeland sollten wir an diesem Tag die Etappe gewinnen. Das letzte Team kam mehr als 5 Stunden später ins Ziel.
Der zweite Renntag begann mit Jan und einem nur humpeln könnenden Johannes. Es war beim Start noch trocken aber es fing schon während der ersten 50 km an zu regnen. Johannes probierte ein paar Mal zu fahren, aber musste dem Sturz Tribut zollen. Er sollte an diesem Tag relativ geschont werden. Unsere Taktik am Team von Neuseeland dran zu bleiben, hielten wir trotzdem nur kurz. Auf den Abfahrten waren wir einfach schneller, so fuhren wir in einem kleinen aber nicht kürzer werdenen Abstand vor den anderen Teams her. Durch den starken Regen gabe es einige Orientierungprobleme. Jan verfuhr sich einmal jedoch wurde sein Missgeschick von uns bemerkt und der Umweg hielt sich mit wenigen hundert Metern arg in Grenzen. Nach einem Checkpoint (die Teams waren mit GPS Sendern ausgerüstet, die manchmal zum Akkucheck mussten, um die Liveübertragung im Internet sicher zu stellen), wurde es so diffizil, das Arne zirka 15 km ohne Begleitfahrzeug auskommen sollte. Er genoss die Zeit, da sie regenfrei und landschaftlich reizvoll an einem See vorbei führte, freute sich dann aber doch ziemlich als das Begleitfahrzeug und Jan endlich am Wegesrand stand, um ihn abzulösen. Der Tag endete im strömenden Regen, aber ansonsten so wie der erste Renntag mit einem Sieg. Zielfahrer war Arne, der mit 6 Minuten Vorsprung vor Neuseeland die Ziellinie querte.
Der dritte Tag war mit einem Einzelzeitfahren über 22 km und einem Kriterium bestückt. Unsere Sorge galt aber ganz Johannes der eigentlich nicht mehr laufen konnte, es aber unter Schmerztabletten und mit Hilfe von 4 Personen schaffte auf sein Rad zu steigen. Arne und Jan fuhren also als erste Fahrer los, um den Schmerztabletten von Johannes die Möglichkeit zu geben ihre Wirkung zu entfalten. Arne startet als letzter Fahrer der erste Kaskade und fuhr halb im Trockenen, halb im Regen fulminant und überholte fast das gesamte vor ihm liegende Feld. Im Ziel sollte der die drittschnellste Zeit aufweisen, obwohl er nicht 100% seiner Leistung abgerufen hatte. Jan folgte im zweiten Run nur unwesentlich langsamer. Johannes raffte sich als letzter von 105 Fahrern auf, die Strecke anzugehen. Nach einem Abstieg und erneut viel Aufstiegshilfe quälte er sich ins Ziel als 51, aber mit nur 8min Rückstand auf die Führenden. Auf der folgenden Fahrt Richtung Truro sollte er sich erholen können.
Bevor am Abend das Kriterium auf dem Plan stand, bei dem jeweils 35 Fahrer gleichzeitig mitten durch die Innenstadt fahren sollten, wurde das Knie stabilisiert und mit einer Bandage versehen. Es Schmerzte zwar noch, sollte fortan aber nicht mehr umknicken. Im Kriterium fuhren alle drei Fahrer mehr oder minder nur mit. Mit Blick auf die Verletzungsgefahr wurde der Abend locker angegangen und mit Platz 7 und 8 recht gut abgeschnitten. Der Zeitverlust hielt sich mit gut 10 min an diesem Tag auf das Team Neuseeland arg in Grenzen. Die Gesamtführung wurde weiter verteidigt.
Johannes ließ als kleinen Test seinen Rucksack mit seinem Pass, Kreditkarten und allem sonst noch wichtigen Utensilien in der Stadt stehen. Oh Wunder stand er auch noch 3 Stunden (der Verlust war aufgefallen) noch unangetastet an Ort und Stelle. Schlechter erging es der Triggernaut Brille von Arne, sie wurde seit diesem Abend schmerzlich vermisst.
Die letzten beiden Etappen wurden wie die ersten angegangen, zum Glück für Alle wieder mit dem nur noch angeschlagenen Johannes. Etappe Nr. 4 wurde knapp an das Team Smile (Australien, England, USA) verloren, die nach einem Orientierungsfehler der führenden Teams ihre Chance witterten und sich den Sieg nicht mehr aus den Händen nehmen ließen. Die German Speeders erreichten zeitgleich mit Neuseeland das Ziel und konnten nur noch gratulieren.
Der letzte Renntag sollte mit 14 Minuten Vorsprung vor Neuseeland noch einmal Spannend werden. Jedoch ließen auch die Beine der Kiwis stark nach und so fuhren die Speeders mit Neuseeland und dem Team Texicali die ersten 100 km zusammen. Danach setzten wir uns ein wenig ab, da Neuseeland auf den Abfahrten nicht mehr mithalten konnten. Auf den letzten 50 km hatten die Neuseeländer dann entgültig aufgegeben und ließen abreißen. Ihren Vorsprung vor dem dritt platzierten Team aus den USA konnten sie nicht mehr verlieren, da er fast 40 min. betrug. Sie fuhren also 6 Minuten nach uns ins Ziel.
Der sportliche Erfolg:
Etappensiege auf der ersten, zweiten und fünften Etappe
Platz drei beim Einzelzeitfahren durch Arne Tilgen
Platz 7 und 8 beim Kriterium von Arne Tilgen und Jan Logemann
Topspeedrekord von Arne Tilgen mit 45,2 km/h
Gesamtsieg des Rennens mit 18 Minuten Vorsprung auf Team 2 und 59 min auf Team 3
Nebenbei:
Eine unheimlich anstrengende aber schöne Zeit in Kanada verbracht. Einradfahren in Nova Scotia gepuscht und viele neue Freunde aus der ganzen Welt gewonnen. Ich denke jeder des Teams hat die Zeit voll genossen. Johannes kuriert derzeit sein Knie wieder aus. Nach drei Tagen Krankenhausaufenthalt, sollte es nun wieder besser geworden sein.
- Arne Tilgen
