TRIGGERNAUT in Brazil / News / Frontpage - TRIGGERNAUT sports glasses

TRIGGERNAUT in Brazil

24/04/2007 3:18 pm

Unsere Geschichte beginnt mit einem kleinen Schatten auf der Seele. Dieser kleine Schatten, ein guter Bekannter aller Berufstätigen, die zu viel im Büro sitzen und davon graue Gesichter bekommen, wird zu einem lustigen Gesellen, wenn er in die weite Welt ziehen darf. Und da ein lustiger Geselle in jedem Fall ein wesentlich angenehmerer Begleiter ist als ein Schatten, muss man als normaler Mitteleuropäer regelmäßig das Weite suchen. Unser Glück bei Triggernaut ist, dass man oft das Nützliche mit dem Notwendigen verbinden kann. Auf unsere Reise nach Brasilien konnte ich z. B. neue Brillen-Prototypen zum Testen mitnehmen.
Unsere kleine Reisegruppe bestand aus 5 Personen, meine Frau und ich, ein befreundetes Paar und natürlich der Schatten. Unser Ziel war Brasilien und zwar der kleine Fischerort Praia do Forte im schönen Bundesland Bahia. Der Zielflughafen war die 3-Millionen-Metropole Salvador, von der es auf der Kokosnussstraße etwa 60 km Richtung Norden nach Praia do Forte ging. Wir kamen leider im Dunkeln an, so dass ich den nächsten Morgen kaum erwarten konnte, zumal sich die Palmen schon im Wind seicht hin und her bewegten. Als ich nach der ersten Nacht meine Augen öffnete, traute ich diesen kaum – die Erfüllung: Wind für den 13er, eine gute Dünung sich überall brechender Freakwellen und herrlicher Sonnenschein begrüßten uns und den Schatten, der sich augenblicklich in den lustigen Gesellen verwandelte und mir gut zusprach, auf’s Wasser zu gehen. Die Strände Bahias sind endlos und so gut wie menschenleer. Der Wind kommt meist side onshore bis onshore und das Meer baut an manchen Tagen Wellen von 4 bis 5 Metern auf. Die Wellen laufen in der Regel nicht sauber, sondern brechen fast auf voller Länge. Das Überqueren des Shorebreaks bei vollauflandigem Wind wurde am ersten Tag dann auch zu einem riesigen Spaß, bedurfte allerdings einiger Anläufe. Das Meer bzw. der Küstenabschnitt Bahias wird im September/Oktober von Meeresschildkröten bevölkert, die einem auf dem Wasser im Falle einer Begegnung erstaunt anschauen, um dann augenblicklich den Kopf unter Wasser zu stecken und zu verschwinden. Die Meeresschildkröten bringen in der Zeit ihre Eier an den Strand, um sie dort zu verbuddeln. Mein Kumpel Tim und ich hatten immer die Befürchtung, in voller Fahrt auf eine solche Hartschale zu treffen, die zum Teil die Größe unserer Boards erreichten. Eine Kollision blieb uns aber – dem Meeresgott sei Dank – erspart. Den einen oder anderen größeren Schatten im Wasser konnten wir beim Rausfahren immer mal wieder ausmachen, jedoch haben wir uns keine weiteren Gedanken über die Herkunft der Schatten gemacht und sind einfach weiter gekitet. An einem der Tage konnten alle Schaulustigen am Strand sogar am Horizont vorbei ziehende Wale ausmachen, die ihre Wasserfontänen in den Himmel bliesen. Buckelwale gibt es nämlich nicht nur unter uns Menschen an Land, sondern auch im Wasser.

Die traumhafte Küste Bahias ist über hunderte von Kilometern mit dem Kite oder per Windsurfsegel befahrbar. Ein Abschnitt der Küste besticht jedoch durch eine besondere Magie und sollte auf jeden Fall mit dem Mietwagen besucht werden. Der Name des kleinen Örtchens lautet „Mangue Seco“ und ist jedem Einheimischen ein Begriff. Der Weg dort hin ist etwas beschwerlich, da man teilweise über staubige Pisten fahren und einen kleinen Fußweg durch von Äffchen bevölkerten Mangroven laufen musste, um dann zu guter letzt von einem klapprigen Holzsteg mit einem Boot über einen Fluss auf eine kleine Insel gebracht zu werden. Viele Bewohner Mangue Secos fahren einen Sandbuggy, da es keine Straßen gibt und der Ort in einer einzigen großen Sanddüne zu liegen scheint. Hauptgewerbe der Bewohner ist somit auch das Sandbuggyfahren für Touristen. Ein paar kleine Hotels und Pousadas gibt es natürlich auch. Mit dem Sandbuggy ging unser Weg dann auch weiter durch die Dünen zum Strand. Dieser Strand gehört sicherlich zu den schönsten der Welt. Er zieht sich endlos bis zum Horizont, das tiefblaue Wasser wird nur langsam tiefer, die Wellen laufen in 5er Sets rein und auf ein Quadratkilometer Strand kommt im Schnitt noch nicht einmal eine Menschenseele. Nahe am Wasser liegen kleine auf den ersten Blick verlassene Bars mit Hängematten, in denen man sich nach einer Session auf dem Wasser ein kaltes Bier schmecken lassen und den Sonnenuntergang genießen kann. Dieser Ort strahlt eine Ruhe aus, dass man innerhalb von Sekunden von dieser eingenommen wird und den Augenblick für immer festhalten möchte. Ich für meinen Teil wollte nicht mehr so schnell dort weg, aber leider geht jeder Augenblick mal zu Ende, Diesen Ort nimmt man jedoch im Herzen mit und kann ihn sich hoffentlich in einer dunklen Winterstunde im Geiste zurückholen.

Neben den Naturwundern Bahias gibt es natürlich auch noch andere Orte, die man besuchen sollte, wie z.B. die Millionenmetropole Salvador. Hier wird dem Besucher neben viel Kultur, schönen Stadtstränden und einem pulsierenden Nachtleben auch das andere Gesicht Brasiliens begegnen. Zum Teil zerfallene Stadtteile und bitterarme Menschen, die um ihr tägliches Überleben kämpfen. Wenn man bedenkt, dass Zweidrittel der Menschen erwerbslos sind, gut 80% nicht lesen und schreiben können und der gesetzlich festgelegte Mindestlohn bei 350 Real liegt, wo ca. 2,5 Real 1 Euro entsprechen, kann einen das schon betroffen machen. Denkt aber nicht, dass das den Großteil der Menschen nach unten ziehen würde. Die Brasilianer strahlen eine Freude und Lebenslust aus, die ihresgleichen sucht. Wir haben das Treiben der Stadt in uns aufgesogen, waren aber nach einer gewissen Zeit auch froh, sie wieder verlassen zu dürfen.

Das Strandleben an unserem Domizil bot ebenfalls eine Menge Abwechslung. Von roten Lobstern aus New Castle, die selbst in ihrer Heimat England wegen ihrer hemmungslosen Trinksucht gefürchtet sind, über den wohl besten Bodyboardsurfer namens „Peter Kelly Slater“, bis zur brasilianischen Schönheit war am Strand alles vertreten. Wie die Red Necks aus New Castle nach Brasilien gekommen sind, war uns ein Rätsel, da sie ihren Wochensold normalerweise in ihrer Heimat in der Kneipe gewinnbringend anlegen. Gewinn ist in deren Fall die immense Zunahme an Gewicht und die gesteigerte Intelligenz, die starker Alkoholkonsum nun mal mit sich bringt. Jeder weiß schließlich: „Schnaps macht schlau und Bier schön!“. Peter Kelly Slater wiederum war uns bereits auf dem Hinflug aufgefallen, weil er ein Bacardi-Rigo-Bodyboard als Gepäckstück aufgab. Ich mutmaßte, es könnte sich vielleicht um einen Gleichgesinnten handeln. Jedoch weit gefehlt. Als wir „Peter Peter the Pussyeater“ dann in Aktion erlebten, trauten wir unseren Augen nicht. Der erwachsene Mann suchte keine Wellen, von denen es ja genug gab, sondern schmiss sich mit seinem Board in das jeweils kümmerlichste Stückchen Restwelle, was er finden konnte. Als wäre das noch nicht genug: Seine Frau musste dieses actiongeladene Treiben auch noch mit der Digicam für die zuhause gebliebenen Freunde festhalten. Wir konnten es uns dann auch nicht verkneifen, ihn wegen seines unverwechselbaren Styles zu loben.

Als sich die zwei Wochen dem Ende neigten, kam am letzten Tag kurz vor dem Flug noch eine unvergessliche Session auf uns zu, die mich noch lange an Brasilien erinnern wird. Der Wind hatte an diesem Tag gedreht. Das Meer war wilder als an den Tagen zuvor und die Wellen waren weiter draußen etwa 4 bis 5 Meter groß. Die Strömung war so stark, dass man kaum gegen sie anlaufen konnte. Gott sei Dank befanden sich an unserem Strand immer drei von den berühmten brasilianischen Guard Lives, so dass ich mich ein Stück weit in Sicherheit wog. Ja die heißen so und nicht Live Guard. Jedenfalls steht Guard Live auf ihren T-Shirts. Das kommt wohl von der wortwörtlichen Übersetzung von Salve Vidas, was soviel heißt wie „Rette Leben“. Ich ging also mit meinem 13er Tribal raus und brauchte wegen des teilweise schwächenden Windes einige Anläufe, um den Shorebreak zu überwinden. Als ich die ersten Wellen genommen hatte, konnte man außer dem ab und zu auftauchenden Kite vom Strand aus nichts mehr von mir sehen. Auf der einen oder anderen Welle kam ich mir klein wie eine Sardine vor, jedoch ließ mich das Wasserfieber jede Angst vergessen. Ich bin mir sicher, hätte mich einer der großen Wellen draußen geschnappt, wäre ich für lange Zeit geschwommen.

Als Fazit kann festgehalten werden, Brasiliens 7800 km lange Küste ist ohne Frage viele Trips wert – ob für Wellenreiter, Windsurfer, Kiter oder einfach Reiselustige. Jeder wird sein persönliches Fleckchen Erde finden, welches ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen wird. Wir werden wiederkommen, so viel ist sicher.